Börse & Grundlagen
Wie funktioniert die Börse? Kurse, Angebot und Nachfrage

Die Börse ist ein regulierter Marktplatz, auf dem Käufer und Verkäufer von Wertpapieren zusammentreffen. Der Kurs ist der Preis, zu dem in einem Moment die meisten Wertpapiere den Besitzer wechseln können: Wo Angebot und Nachfrage zusammenpassen, entsteht ein Geschäft.
Kurse entstehen aus den Kauf- und Verkaufsaufträgen im Orderbuch. Im fortlaufenden Handel werden Aufträge sofort gegeneinander ausgeführt, in Auktionen wird ein einheitlicher Preis mit dem größten ausführbaren Umsatz festgelegt. Market Maker stellen zusätzlich Kurse, wenn zu wenig Gegenseite vorhanden ist. Ein steigender oder fallender Kurs sagt nichts darüber, ob ein Wertpapier „fair“ bewertet ist, sondern nur, wozu die Marktteilnehmer in diesem Moment bereit sind.
Wer handelt an der Börse – und wer kontrolliert sie?
An der Börse handeln Privatanleger über ihren Broker, Banken, Fonds, Versicherungen und Market Maker. Der Privatanleger erteilt seinen Auftrag nie direkt an der Börse, sondern über sein Kreditinstitut oder seinen Broker als Handelsteilnehmer. Dieser leitet die Order an einen Handelsplatz weiter oder führt sie außerbörslich aus.
Die Aufsicht ist in Deutschland geteilt: Die Börsenaufsichtsbehörde des jeweiligen Bundeslandes überwacht den Börsenhandel, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beaufsichtigt Wertpapierdienstleister und verfolgt Marktmanipulation und Insiderhandel. Rechtsgrundlagen sind unter anderem das Börsengesetz und das Wertpapierhandelsgesetz.
Wie entsteht ein Kurs?
Ein Kurs entsteht im Orderbuch, in dem alle Kauf- und Verkaufsaufträge mit Limit und Stückzahl gesammelt werden. Das Orderbuch ist nach Preisen sortiert: Auf der Kaufseite steht oben der höchste Preis, den ein Käufer zahlen würde (Geldkurs), auf der Verkaufsseite der niedrigste Preis, den ein Verkäufer verlangt (Briefkurs). Der Abstand dazwischen ist der Spread.
Ein Geschäft kommt zustande, sobald ein Käufer bereit ist, den Briefkurs zu zahlen, oder ein Verkäufer den Geldkurs akzeptiert. Steigt die Nachfrage, sind Käufer bereit, höhere Preise zu zahlen, und der Kurs steigt. Gibt es mehr Verkaufsdruck, sinken die Gebote. Wichtig ist dabei ein verbreiteter Denkfehler: Es gibt nie „mehr Verkäufer als Käufer“, denn jedes Geschäft hat genau eine Käufer- und eine Verkäuferseite. Der Preis bewegt sich so lange, bis genug Gegenseite zu diesem Preis bereitsteht.
Welche Handelsformen gibt es?
Es gibt drei Grundformen der Preisfindung: Auktion, fortlaufender Handel und Handel mit Market Makern. Welche Form gilt, hängt vom Handelsplatz und vom Wertpapier ab.
| Handelsform | So entsteht der Preis | Typisches Beispiel |
|---|---|---|
| Auktion | Alle Aufträge werden gesammelt, der Preis mit dem größten ausführbaren Umsatz gilt für alle | Eröffnungs- und Schlussauktion bei Xetra (8:55 Uhr und 17:30 Uhr) |
| Fortlaufender Handel | Neue Aufträge werden sofort mit dem Orderbuch abgeglichen | Xetra-Hauptmarkt zwischen den Auktionen |
| Market-Maker-Handel | Ein Market Maker stellt verbindliche Kauf- und Verkaufskurse | Handelsplätze wie gettex oder L&S Exchange |
Ein Market Maker verdient am Spread und sorgt dafür, dass auch bei wenig Gegenseite ein Kurs verfügbar ist. Das erhöht die Verfügbarkeit, kann aber bedeuten, dass der Ausführungspreis nicht der beste im gesamten Markt ist. Details dazu und zu Interessenkonflikten finden Sie im Beitrag zu Payment for Order Flow.
Dieser Beitrag erklärt Marktmechanik und ist keine Anlageberatung. Börsenkurse schwanken, Verluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Wer Wertpapiere kauft, sollte nur Geld einsetzen, das er über längere Zeit nicht benötigt, und die Risiken des jeweiligen Produkts vorab verstehen.
Was passiert nach dem Kauf: Abwicklung und Verwahrung?
Nach dem Abschluss folgt die Abwicklung (Clearing und Settlement). In der EU erfolgt die Lieferung der Wertpapiere und die Zahlung derzeit in der Regel zwei Handelstage nach dem Geschäft (T+2); eine Umstellung auf einen Handelstag (T+1) ist für den 11. Oktober 2027 vorgesehen. Die Wertpapiere werden in Deutschland bei einer Wertpapiersammelbank, der Clearstream Banking AG, verwahrt und im Depot Ihres Brokers gutgeschrieben.
Ihr Geld und Ihre Wertpapiere liegen im Depot als Sondervermögen getrennt vom Vermögen der Bank. Warum das für die Sicherheit entscheidend ist, erläutert der Beitrag zur Depotsicherheit. Eine Übersicht der deutschen Handelsplätze gibt das Verzeichnis, zum Beispiel die Seite zur Börse Frankfurt.
Warum schwanken Kurse – und was bedeutet das für Anleger?
Kurse schwanken, weil sich Erwartungen ändern: Neue Unternehmenszahlen, Zinsentscheidungen der Notenbanken, politische Ereignisse oder schlicht große Aufträge verschieben das Verhältnis von Kauf- und Verkaufsinteresse. Das Maß für diese Schwankung ist die Volatilität. Hohe Volatilität bedeutet nicht automatisch fallende Kurse, aber größere Ausschläge in beide Richtungen.
Für Anleger folgt daraus: Kurzfristige Bewegungen lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen, und Kursziele von Analysten sind Schätzungen, keine Zusagen. Wer langfristig anlegt, muss Schwankungen aushalten können; wer kurzfristig Geld braucht, sollte es nicht in schwankungsanfälligen Produkten anlegen. Einen ersten Eindruck, wie sich regelmäßiges Sparen über lange Zeiträume auswirken kann, vermittelt der Sparplan-Rechner als reines Rechenbeispiel ohne Renditeversprechen.
Schauen Sie sich vor Ihrer ersten Order das Orderbuch eines liquiden Wertes an, etwa eines Index-ETFs, den Ihr Broker anzeigt. Notieren Sie Geld- und Briefkurs sowie die Stückzahlen daneben. Wer einmal gesehen hat, wie dünn das Orderbuch bei kleinen Werten ist, versteht sofort, warum ein Limit sinnvoller sein kann als eine Order „zum nächstmöglichen Kurs“.
Welche Irrtümer über die Börse sind verbreitet?
Drei Annahmen führen bei Einsteigern regelmäßig zu falschen Erwartungen. Erstens: „Die Börse ist ein Casino.“ Anders als beim Glücksspiel stehen hinter Aktien Unternehmensanteile mit Ertragsaussichten, Dividenden und Vermögenswerten. Das heißt nicht, dass Kurse berechenbar wären, sondern dass sie langfristig mit der Entwicklung der Unternehmen zusammenhängen. Wer Wertpapiere ohne Plan und mit geliehenem Geld handelt, geht allerdings tatsächlich spielähnliche Risiken ein.
Zweitens: „Ein gefallener Kurs ist automatisch günstig.“ Ein niedrigerer Kurs kann berechtigt sein, etwa wenn Gewinne einbrechen. Ob ein Wert günstig ist, zeigen erst Kennzahlen wie KGV im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen, und selbst dann bleibt es eine Einschätzung. Drittens: „Mit Börsennachrichten kann man schneller sein als der Markt.“ Kurse reagieren auf neue Informationen innerhalb von Sekunden, meist durch Algorithmen. Privatanleger haben bei kurzfristigen Nachrichten keinen Zeitvorsprung.
Wer diese Punkte kennt, trifft Entscheidungen eher anhand langfristiger Ziele als anhand der Tagesschlagzeile. Ein Blick auf die Unterschiede zwischen Bullenmarkt und Bärenmarkt hilft, Marktphasen einzuordnen: Beide sind Teil normaler Marktzyklen, ihre Dauer ist aber nicht vorhersehbar.
- Der Kurs entsteht im Orderbuch, wo Kauf- und Verkaufsaufträge aufeinandertreffen.
- Auktionen legen einen einheitlichen Preis fest, der fortlaufende Handel gleicht Aufträge laufend ab.
- Market Maker stellen Kurse und verdienen am Spread, was die Ausführung beeinflussen kann.
- Privatanleger handeln immer über einen Broker, der Wertpapiere im Depot als Sondervermögen verwahrt.
- Kursschwankungen sind normal, Verluste bis zum Totalverlust sind möglich.
Häufige Fragen
Wer legt den Aktienkurs fest?
Niemand allein. Der Kurs ergibt sich aus den Aufträgen aller Marktteilnehmer im Orderbuch oder aus dem Stellkurs eines Market Makers.
Warum gibt es Geld- und Briefkurs?
Der Geldkurs ist der Preis, zu dem Sie verkaufen können, der Briefkurs der Preis, zu dem Sie kaufen können. Die Differenz ist der Spread.
Was ist der Unterschied zwischen Börse und außerbörslichem Handel?
Börsen sind reguliert und nach festen Regeln organisiert. Beim außerbörslichen Handel handeln Sie direkt mit einem Handelspartner, oft zu eigenen Preisstellungen.
Sind Kurse an allen Handelsplätzen gleich?
Nein. Jeder Handelsplatz ermittelt eigene Kurse, die sich je nach Liquidität leicht unterscheiden.
Quellen
- Börsengesetz (BörsG) – Gesetze im Internet
- BaFin – Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
- Deutsche Börse: Handelszeiten und Kalender
Stand: Oktober 2026
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