Keine Anlageberatung · Wertpapiere und Kryptowerte bergen Verlustrisiken

Europa

Wiener Börse

Kurz eingeordnet: Die Wiener Börse ist Österreichs Wertpapierbörse mit dem Leitindex ATX; sie wird seit 1771 betrieben, nutzt das Handelssystem T7 und betreibt auch die Prager Börse.

Steckbrief Wiener Börse
BetreiberWiener Börse AG (betreibt auch die Börse Prag)
Gegründet1771 durch Maria Theresia
SitzWien (Wallnerstraße / Strauchgasse)
HandelszeitenBörsentage ab 9:00 Uhr Ortszeit (= deutsche Zeit, MEZ/MESZ); Schlussauktion 17:30 bis 17:35 Uhr, mit Trade at Close bis 17:45 Uhr seit 1. Dezember 2020
AufsichtFinanzmarktaufsicht (FMA) für Wertpapierbörsen
Gehandelte ProdukteAktien, Anleihen, Zertifikate, ETFs, Optionsscheine
TechnikHandelssystem T7 der Deutschen Börse seit Juli 2017, zuvor Xetra

Von Maria Theresia bis T7

Die Wiener Börse wurde 1771 unter Maria Theresia eingerichtet. Zu Beginn gab es nur Staatsanleihen, Wechsel und Devisen; Aktien kamen später hinzu. Heute betreibt die Wiener Börse AG die Börsenplätze Wien und Prag und berechnet Indizes wie den ATX. Das Börsewesen in Österreich ist seit 2018 im Börsegesetz 2018 geregelt.

Technisch läuft der Handel seit Juli 2017 auf T7, derselben Plattform wie bei Xetra, davor nutzte Wien Xetra selbst. So ähneln sich Ablauf und Auktionslogik beider Plätze.

Handelstag und Zeiten

Der Handel startet am Morgen deutscher Zeit um 9:00 Uhr. Seit dem 1. Dezember 2020 gibt es zusätzlich Trade at Close: Teilnehmer können nach der Schlussauktion bis zu zehn Minuten zum offiziellen Schlusskurs handeln; die Handelszeit reicht damit bis 17:45 Uhr. Vorher lief die Schlussauktion von 17:30 bis 17:35 Uhr.

Zu den gehandelten Produkten zählen Aktien, Anleihen, Zertifikate, ETFs und Optionsscheine. Für deutschsprachige Anleger ist Wien besonders für österreichische Titel wie Banken und Energiewerte relevant.

Aufsicht und Einordnung

Die Finanzmarktaufsicht FMA beaufsichtigt Börsen, Börsenmitglieder und die Transparenzpflichten börsennotierter Emittenten. Das unterscheidet Österreich von Deutschland, wo Landesbörsenaufsicht und BaFin gemeinsam wirken.

Im Vergleich mit Zürich oder Frankfurt ist Wien klein und stark an Österreich und Zentral- und Osteuropa ausgerichtet. Anleger sollten bei Einzelwerten auf Liquidität und Spreads achten; ein Handel an der Heimatbörse kann bei Nebenwerten sinnvoller sein als an Regionalplätzen.

Für Anleger aus Deutschland ist die Wiener Börse wegen ihrer starken Gewichtung von Banken, Versicherern und Industrie ein vergleichsweise konzentrierter Markt. Der ATX bildet nur eine kleine Zahl von Unternehmen ab, sodass Einzelwerte den Index stark beeinflussen. Wer über ETFs auf den ATX nachdenkt, sollte die Konzentration kennen. Der Handel in Euro vermeidet Währungsrisiken, Quellensteuer auf österreichische Dividenden fällt dennoch an und lässt sich teilweise anrechnen. Detailfragen klärt der Steuerberater, nicht dieser Eintrag.

Ergänzend lohnt sich der Blick auf die Prager Börse, die ebenfalls von der Wiener Börse AG betrieben wird und den regionalen Fokus unterstreicht. Anleger, die Zentral- und Osteuropa im Depot gewichten wollen, sollten Liquidität, Währung und Länderrisiken je Markt getrennt prüfen.

Für wen passt das?

  • Anleger, die österreichische Aktien an der Heimatbörse handeln wollen
  • Leser, die den ATX und die Rolle der FMA einordnen möchten
  • Börseninteressierte, die T7 als gemeinsame Technik verstehen wollen